Ikos News
Ganz großes Kino war das mit der Helmut Debus Band im Theater Laboratorium am letzten Donnerstag und am Samstag im Central-Theater in Brake! Wir hatten Spaß und Ihr - denke mal Ihr auch. Bis zum nächsten Mal - Ahoi un Grööten !!

Kritische Lyrik von zeitloser Gültigkeit
Gedenken an Oswald Andrae im Schloss – Lesung und Musik zum 15. Todestag - Gedichte, Songs und Erinnerungen – der jeversche Dichter nicht nur als politischer Autor. JEVER

Von DÉSIRÉE WARNTJEN, Jeversches Wochenblatt
Eine sehr familiäre Veranstaltung war es, das Gedenken in Form von Lesung, Musik und Erinnerungen an Oswald Andrae. Dies lag zum einen darin begründet, dass seine Ehefrau Hannelore Andrae und sein Sohn Iko Andrae gemeinsam das Programm gestalteten. Zum anderen waren es aber auch der Veranstaltungsort im Audienzsaal des Schlosses und die Präsenz von Freunden und zahlreichen Wegbegleitern, die am Sonntag eine ganz besondere Atmosphäre und Nähe zum Dichter schufen, der sein Leben lang in Jever gewirkt hatte.
Vor 15 Jahren, am 19. Februar 1997, ist Oswald Andrae im Alter von 70 Jahren gestorben. Sein dichterisches Werk hat bis heute seine Bedeutung und auch alle Aktualität bewahrt.
In ihrer Begrüßung freute sich Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander, dass sich die Oldenburgische Landschaft sehr für diese Gedenkveranstaltung eingesetzt hatte, auch in Form einer Buchveröffentlichung über „Stationen aus dem Leben und Werk des Dichters“ in der Bearbeitung von Hanno Willenborg.
Anlässlich der Ehrung hatten Uta Esselborn und die Volontärin Nina Bormann eine kleine Ausstellung mit persönlichen Exponaten und Veröffentlichungen Oswald Andraes vorbereitet, die noch bis zum Ende dieser Woche in der Fürstlichen Galerie zu sehen ist. Pastor i.R. Volker Landig vom Jeverländischen Altertums- und Heimatverein erinnerte sich in seinen Grußworten an Andraes „kleine Dichterhöhle über dem Kirchplatz, in der eine Vielzahl der vorrangig lyrischen Arbeiten entstanden war, an Andraes Computer, den der Jeveraner „Tusnelda“ nannte, und daran, wie sehr es der einstige Nachbar bedauert hatte, dass die Sprache seiner jeverländischen Vorfahren immer mehr verloren ging: „Das Plattdeutsche ist doch viel unmittelbarer als das Hochdeutsche“, zitierte Landig den Dichter.
Iko Andrae hatte sich als Musiker relativ spät mit dem Werk seines Vaters befasst. Aber dann bei der Auseinandersetzung mit den Texten um so intensiver „sehr viel über meinen Vater und dessen Innenleben gelernt“.
„Unser Vater war immer unterwegs, in der Stadt, im Moorland, an der Küste und bei Fahrten durch ganz Europa“, schilderte Iko Andrae seine Wahrnehmung. Die Eindrücke, die nahen und die durch das Unterwegssein näher gerückten, fanden direkten Eingang in Oswald Andraes literarisches Schaffen. Seine Sprachbilder sind ebenso präzise und schnörkellos wie auch atmosphärisch. Das Talent zur Dichte ist aber auch im Prosa-Werk zu finden.
Hannelore Andrae hatte die hochdeutschen Werke „Strandläufer Mützenmann“, „Goldrausch“ und „Amanda“ ausgewählt. Im „Goldrausch“ betrachtete Oswald Andrae den Wilhelmshavener und wangerländischen Groden im zeitlichen Wechsel, mal mit dem Blick auf die sich in der Gegenwart ausbreitende Industrie und zurückversetzt in die historische Zeit, und zwischen den Zeilen breitet sich die Kritik aus an jenen Veränderungen, die haltlos alte Werte überrollen.
Seinen kritischen Blick hatte Oswald Andrae ebenso auf die direkte Umgebung als auch weit über den jeverländischen Tellerrand hinaus geworfen. Und dies mit einem großen Anteil an Zeitlosigkeit. So lässt sein mahnendes Gedicht über „Vietnam“ Assoziationen mit der heutigen Situation in Syrien zu, und entsprechend interpretiert es Iko Andrae in seiner Vertonung mit einem simplen Wortaustausch.
Neben der Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Zu- bzw. Missständen gab es aber auch den Heimatdichter Oswald Andrae, der Lieder über das geliebte Wattenmeer schrieb, über das Krabbenfangen und den Andelgroden, mit Worten, die Bilder von wogendem Wollgras und einer weiten Gefühlswelt heraufbeschwören.
Zum ersten Mal stellte Iko Andrae auch einen eigenen Text vor, den er unmittelbar nach dem Abschied vom Vater schrieb, als er dem Vater nachspürt und bei der Suche „Ganz up eegen Fööt“ dessen Spur folgt.
Mit den Vertonungen der Gedichte präsentierte Iko Andrae sich als hervorragender lyrischer Interpret und stellte zugleich das große poetische Potenzial des sprachgewandten und -gewaltigen Jeveraners heraus, dessen Texte und Mahnungen ihre Gültigkeit bewahrt haben. Auch wenn Oswald Andrae in seinem „Lied für den Häftling Carl von Ossietzky“ feststellte: „Handeln för den Freeden helpt mehr as dat Wort“.
Am Mittwoch, dem 07.März bin ich schon wieder in Jever zu sehen und zu hören, wo ich bei der Eröffnung der Emslandlager-Ausstellung in der Jeverschen Stadtkirche unter anderem das Ossietzky-Lied meines Vaters und noch einiges mehr vortragen werde.
Am Freitag, 16.März sind wir vier Jungs von der Stiekelstrüük-Band live auf der plattdeutschen Nacht in der alten Reederei in Buxtehude zu sehen. Um 19.30 ist Stapellauf unseres Programms, auch mit ein paar neuen plattdeutschen Songs aus eigener Feder.
Am Donnerstag, 22.März um 20.00 Uhr geht es in Oldenburg im Theaterlaboratorium gleich weiter mit dem Konzertabend zur Vorstellung der neuen Helmut-Debus-CD. Bahli, Michael und ich rocken den Helmut!
Wer an diesem Abend nicht kommen kann, hat gleich am Samstag, dem 24.03. Gelegenheit, uns im alten Zentarltheater in Brake zu erleben. Weitere Tourtermine mit der Helmut-Debus-Band werden hoffentlich folgen und natürlich hier bekannt gegeben.
Soviel erstmal zu den Neuigkeiten. Irgendwann dazwischen müssen wir noch unsere Balu fertigmachen für die nächste Segelsaison. Aber momentan ist es dafür eifach viel zu kalt! Brrrrrr!

25.11.2011: Das war eine Live-Session, die es in sich hatte! Am letzten Wochenende standen wir (Michael Jungblut, Bahli und ich) mit Helmut Debus in den neuen Aufnahmeräumen des Bremer Tonstudios Thein bei Stuhr und haben die neue CD des niederdeutschen Ausnahmekünstlers eingespielt, Dreihen un Weihen soll sie heißen. Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber es wird die spannenste, lebendigste und natürlich auch die beste CD von Helmut Debus seit langem! Alles wurde live eingespielt. Mir taten noch Tage danach die Gelenke und Finger weh. Releasekonzert ist übrigens am 22.03.2012 im Theaterlaboratorium in Oldenburg. Wir als Band sind dann dabei!

Oh Je! Das Jahr schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran und ich hab schon so lange nichts mehr in meinen Briefkasten geschrieben. Dabei gäbs doch allerhand Neues zu berichten, so die Rückschau auf einen wundervollen und magischen Abend an Bord der Oceana auf der Weser am 23.09., an dem Bahli und ich Joachim Deike beim letzten, ja allerletzten Paul-E.-Pop Abenteuer begleiten durften.
Was für eine Ehre war das, als Joachim Deike mir eröffnete, er wolle die letzte Botschaft von Paul aus der Pirates Bay in Tobago um meine Lieder der Cocktailshakershow herum basteln. Na ja, wir fühlten uns geehrt und versuchten an dem Abend auf der kleinen Bühne der Oceana bloß nicht in den Vordergrund zu rücken. Aber dann waren da 450 Augenpaare altgedienter und auch noch sehr junger Popwelt-Zuhörer und - anhänger, die an unseren Lippen klebten, als wir die Songs vom Atlantik brachten. Und zum Schluss sangen beim Song "Pirates Bay Charlotteville Tobago" alle in der großen Messe den Refrain mit und mir wurde ganz warm ums Herz und ich musste einen ziemlich großen Kloß runterschlucken und mir immer wieder einreden, "Iko, es geht heute nicht um Dich, nicht du bist der Star, sondern Joachim und vor allem Paul E.Pop".
Es war einer der schönsten Aufritte dieses Jahres, gleichauf mit dem beim Oldenburger Kultursommer mit meinem plattdeutschen Programm und der Aufführung der Reisegeschichte in Mommes Schipperhus auf Pellworm, wo vor dem Auftritt eine alte Pellwormerin auf mich zu kam und sagte, dass sie vor 77 Jahren auf Trinidat&Tobago geboren sei und nun gespannt wäre, was ich über ihre Insel Tobago zu berichten hätte. Auch dies war ein magischer Abend.
Der Kultursommer-Auftritt im Juli war toll, weniger magisch, was auch am drohenden Unwetter lag, das zum Glück nicht über uns hereinbrach. Nach dem Auftritt kam der alte Barde Helmut Debus vor die Bühne und fragte uns, ob wir ihn auf seiner nächsten CD begleiten würden. Das tun wir jetzt und proben wie die Weltmeister zuhause und bei Helmut mit Blick auf den Weserstrand. Noch so eine besondere Ehre in diesem Jahr. So schließt sich auch wieder einmal im Leben ein Kreis, erst der Atlantic-Circle, dann mein Oswald-Album und nun die Zusammenarbeit mit Helmut, der viel übers Meer schreibt und auf seinen ersten LPs mit meinem Vater Oswald zusammen arbeitete. Und was passierte sonst noch so? Ach ja, das Boot ist nach unseren 80 Tagen mit Balu auf der Nordsee aus dem Wasser und unser Sohn lernt gerade Laufen.
Viele Grüße und Ahoi, Iko